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Der Body-Mass-Index ist nur ein Anhalt

Die Entscheidung ob jemand gewichtsmäßig gesund ist oder nicht, wird traditionell mit dem Body-Mass-Index (BMI) berechnet. Er setzt unser Gewicht (Köpermasse) in Relation zu unserer Körpergröße. Fertig.
Diese einfach Berechnung entscheidet also nun ob krank bin oder nicht. Der BMI berücksichtigt keine weiteren Faktoren.

Welche Einstufungen / Klassifizierungen gibt es denn?

Falls sich jemand mit dem Thema noch nicht zu sehr auseinandergesetzt gesetzt hat, hier mal schnell die Werte

BMI 18,5 – 24,9 -> Normalgewicht
BMI 25,0 – 29,9 -> Übergewicht
BMI 30,0 – 34,9 -> Adipositas Grad 1
BMI 35,0 – 39,9 -> Adipositas Grad 2
BMI 40,0 und größer -> Adipositas Grad 3

Achtung. Es handelt sich hierbei um Werte für Erwachsene. Kinder und Jugendliche werden anders berechnet.
Wenn Ihr Euren BMI berechnen wollt, findet Ihr im Internet zahlreiche Rechner.

Kurzer Klugscheißeralarm

Der Body-Mass-Index wurde erstmals 1832 von Adolphe Quetelet entwickelt um Köper-Kennzahlen für den „mittleren Menschen“ zu erfassen. Allerdings sollten diese Werte für rein für statische Auswertungen genutzt werden.
Was auch immer mit „mittlerer Mensch“ gemeint ist. Falls jemand eine Definition hat, gerne hier kommentieren.
Aktuelle Grenzwerte zur Klassifizierung und zur Bestimmung von Unter-/ bzw. Übergewicht wurde durch die Weltgesundheitsorganisation festgelegt. Ich habe hier unterschiedliche Daten gefunden. Die älteste Festlegung der Werte fand ich um 1995.

Der Body-Mass-Index ist nur ein Anhalt?

Ja genau. Denn er berücksichtigt keine weiteren wesentlichen Faktoren der Menschen. Weder Muskulatur, Wassergehalt, Fettverteilung, Hüftumfang usw.
Letztendlich kann er uns nur ein Anhalt darüber geben ob eventuell Übergewicht oder eine Adipositas vorliegt.
Selbst normale Hobbysportler sind dann mal schnell übergwichtig. Ich kenne Menschen, die regelmäßig Sport machen und einen BMI von 30 haben. Mit einem Körperfettanteil zwischen 17%.und 23%.

Welche Möglichkeiten gibt es denn noch um mein Gesundheitsrisiko zu erkennen?

Eine bessere Auskunft geben Berechnungen zur Fettverteilung im Körper. Hier kann man einige Selbsttests durchführen.

  • Waist-to-Height Ratio
    Hier wird einfach ein Taillen-Größen-Verhältnis berechnet. Der Taillenumfang ist ein wichtiger Faktor, da das Bauchfett auch ein Stückweit die Gefahr für Begleit- und Folgeerkrankungen aufzeigen kann.
    Das könnt Ihr ganz einfach selbst berechnenn indem Ihr Euren Taillenumfang messt und diesen durch Eure Körpergröße in cm teilt.Aktuell werden folgende Werte als kritisch bewertet

    Jünger als 40 Jahre ein Wert von größer als 0,5
    Zwischen 40 und 50 Jahren ein Wert von 0,5 – 0,6
    Alter als 50 Jahre ein Wert größer als 0,6

  • Waist-to-Hip Ration
    Das Taille-Hüft-Verhältnis berechnet, wie es der Name schon sagt, das Verhältnis der Taille zu der Hüfte wiedergibt. Nach Möglichkeit sollte der Bauch immer einen kleineren Umfang als die Hüfte haben. Also nicht wie bei mir.
    Einfach den Bauchumfang durch den Hüftumfang teilen.

    Aktuell werden folgende Werte als kritisch bewertet
    Jünger als 40 Jahre ein Wert von größer als 0,5
    Zwischen 40 und 50 Jahren ein Wert von 0,5 – 0,6
    Alter als 50 Jahre ein Wert größer als 0,6

Köperwasser, Fettverteilung usw. – wie misst man das denn?

Hier kommen wir jetzt in einen Bereich, bei dem man mit einem Maßband und einem Taschenrechner nicht mehr weiterkommt.
Viele kennen bereits die Köperfettwaagen, die man zu kaufen bekommt. Hier gibt man im Vorfeld in der Regel Alter und Größe an, stellt sich auf die Waage und die Waage wirft ein Ergebniss aus.
Für den Hausgebrauch vielleicht nicht ganz verkehrt, für eine korrekte und detaillierte Messung nicht wirklich geeignet.

Mit B.I.A. (Bioelektrische Impedanzanlayse) Messgeräten, die mit Elektroden bzw. Messpunkten und Armen und Beinen ausgestattet sind, bekommt man ein weitaus dateilliertes und genaueres Ergebnis.
Es wird schwacher Strom durch den Körper geleitet – nein, das spürt man nicht – verschiedene Widerstände  innerhalb des Körpers werden ermittelt und ausgewertet.

Im wesentlichen werden bei einer B.I.A. Messung folgende Werte ermittelt

  • Wassergehalt im Körper
  • Fettfreie Masse
  • Magermasse
  • Muskelmasse
  • Fettmasse
  • Zellsätigung / Phasenwinkel

Messgeräte, die im medizinischen Bereich eingesetzt werden, geben häufig noch weitaus mehr Werte, wie zum Beispiel Skelettmuskulatur nach Extremitäten.

ergebnis_bia
Beispiel einer B.I.A. Auswertung (nicht komplett)

Ich kann diese Messungen wirklich nur jedem, der sich seinem Gewicht und / oder seiner Gesundheit stellen will, ans Herzen legen. Aber hier bekommt ihr wirklich eine recht Aussage detaillierte Aussage über den Köperzustand und die Zusammensetzung.

Gute Geräte speichern die Messdaten, so dass es möglich ist, nach ein paar Monaten eine Vergleichsmessung zu erstellen.

Kennt Ihr das Edmonton Obesity Staging System?

Eine – für mich – aktuell beste Einschätzung des Erkrankungsgrades einer Adipositas, die Professor Sharma aus Kanada gemeinsam mit Kollegen entwickelt hat. Hier wird der BMI mit verschiedenen anderen Faktoren in Verbindung gebracht.

Edmonton Obesity Staging Syndrom
Klassifizierung nach Edmonton Obesity Stage Syndrom

Insgesamt gibt es beim EOSS 5 Erkrankungsstufen, bei denen neben dem BMI noch weitere Beeinträchtigungen erfasst und klassifiziert werden, die unsere Gesundheit beeinflussen.

  • orthopädische
  • psychische
  • internistische

All diese Faktoren gemeinsam geben einen guten Überblick über den Schweregrad der Erkrankung Adipositas und wird mittlerweile von vielen Medizinern favorisiert.
Natürlich ist die Einstufung aufwendiger als eine einfache BMI Berechnung, allerdings auch weitaus detaillierter und gibt somit einen besseren und individuelleren Therapieansatz.

Fazit

Wir ihr seht, trägt der Body-Mass-Index nur einen kleinen Teil zu dem Puzzle Übergewicht und Adipositas bei. Er kann nicht weg und kann aber auch nicht als einziger Wert zur Beurteilung herangezogen werden.

Und denkt immer daran. Ein gesundes Gewicht verringert die Gefahr von Begleit- und Folgeerkrankungen.

 

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Ein Kommentar

  1. Bastian H Bastian H 6. August 2020

    Guter Artikel, der BMI ist nur eins von vielen Faktoren, die man für seine Gesundheit achten muss. Mach weiter so.

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