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Abnehmspritze – wo geht es hin?

Aktuell hört man regelmäßig von neuen Studienergebnissen rund um die medikamentöse Therapie der Adipositas. Das wäre nämlich die richtige Bezeichnug für die „Abnehmspritze“. Aber gut.
Ich möchte Euch heute mal versuchen auf einen aktuellen Stand zu bringen. Zumindest der Stand Mitte Mai 2026.

Was ist bereits verfügbar?

Die derzeit zugelassenen und etablierten Medikamente zur Behandlung der Adipositas basieren überwiegend auf sogenannten Inkretin-Mimetika (Hormone, die Sättigung und Blutzucker regulieren). Die wichtigsten zugelassenen Wirkstoffe sind:

  • Semaglutid:
    Verabreichung: Subkutane Injektion (1x wöchentlich) oder als Tablette.
    Die Tablette braucht noch etwas bis sie in Deutschland verfügbar ist)
    Handelsnamen: Wegovy (für Adipositas, Injektion), Ozempic (für Typ-2-Diabetes, Injektion), Rybelsus (für Typ-2-Diabetes, Tablette).
  • Tirzepatid:
    Verabreichung: Subkutane Injektion (1x wöchentlich).
    Handelsnamen: Zepbound (für Adipositas in den USA), Mounjaro (in Deutschland für Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2). Dies ist der erste zugelassene duale Agonist, der gleichzeitig auf GLP-1 und GIP wirkt.
  • Liraglutid:
    Verabreichung: Subkutane Injektion (1x täglich).
    Handelsname: Saxenda. (Wird zunehmend von den wöchentlichen Alternativen verdrängt, da diese wirksamer sind).
  • Setmelanotid:
    Verabreichung: Subkutane Injektion (1x täglich).
    Kannst Du bitHandelsname: Imcivree. (Ausschließlich für sehr spezifische, genetisch bedingte Formen der Adipositas zugelassen).

Woran wird aktuell geforscht?

Jetzt wird es spannend. Es sind doch einige Unternehmen dem Thema näher als man denkt. „Phase 3“ bedeutet hierbei, dass man schon sehr weit ist und ggf. schon vor der Zulassung steht

WirkstoffHerstellerMechanismusVerabreichungPhase
RetatrutidEli LillyDreifach-Agonist (GLP-1, GIP, Glukagon)Injektion (wöchentlich)Phase 3 (TRIUMPH)
CagriSemaNovo NordiskKombination (Semaglutid + Amylin-Analogon)Injektion (wöchentlich)Phase 3 / Zulassung
OrforglipronEli LillyOraler GLP-1-Agonist (nicht-peptidisch)Tablette (täglich)Phase 3 / Zulassung
MariTide (Maridebart cafraglutide)AmgenGIP-Antagonist & GLP-1-AgonistInjektion (monatlich)Phase 3 (MARITIME)
SurvodutidBoehringer Ingelheim & Zealand PharmaDualer Agonist (GLP-1, Glukagon)Injektion (wöchentlich)Phase 3
VK2735Viking TherapeuticsDualer Agonist (GLP-1, GIP)Injektion & TablettePhase 3 (Inj.) / Phase 2 (oral)

Welche neuen Erkenntnisse gibt es?

Interessant sind ja vor allem die Themen „Gewichtsverlust“ und „Nebenwirkungen“

Die Ergebnisse der laufenden Phase-3-Studien zeigen, dass die neuen Generationen den medikamentösen Gewichtsverlust auf ein Level heben, das schon in die Richtung der Adipositaschirurgie gehen kann.

Gewichtsverlust (Wirksamkeit):

  • Retatrutid: Gilt als aktueller Spitzenreiter der Pipeline. In den klinischen Studien zeigten Probanden nach 80 Wochen mit der höchsten Dosis (12 mg) einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von über 28 % ihres Körpergewichts.
  • MariTide: Dieses Medikament von Amgen bietet den enormen Vorteil einer nur monatlichen Injektion (die zukünftig womöglich noch seltener erfolgen kann). Es zeigte bereits in Phase-2-Studien einen Gewichtsverlust von rund 20 % nach einem Jahr.
  • CagriSema: Die Zugabe des Amylin-Analogons Cagrilintid führte im direkten Vergleich zu einem höheren Gewichtsverlust als die reine GLP-1-Gabe mit Semaglutid.
  • Orforglipron: Für eine Tablette ist dieses Medikament ein enormer Fortschritt, da es an keine strengen Nüchternheitsregeln (wie etwa Rybelsus) gebunden ist. Bei der höchsten Dosis wurde ein Gewichtsverlust von ca. 11,2 % erzielt, was die Therapieadhärenz im Alltag drastisch vereinfachen dürfte.

Nebenwirkungen:

Die Sicherheitsprofile der Pipeline-Medikamente entsprechen bislang weitgehend denen der aktuellen GLP-1-Agonisten, stehen jedoch unter strenger Beobachtung:

  • Gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Durchfall bleiben die mit Abstand häufigsten Nebenwirkungen. Sie treten primär in der Eindosierungsphase auf und klingen meist im Verlauf der Therapie ab.
  • Potenz vs. Verträglichkeit: Da Medikamente wie Retatrutid noch stärker wirken, untersuchen die Zulassungsbehörden genau, ob diese gesteigerte Wirksamkeit zu einer höheren Rate an Therapieabbrüchen durch Magen-Darm-Beschwerden oder zu kardiovaskulären Auffälligkeiten führt.
  • Muskelmasseverlust: Eine der wichtigsten neuen Erkenntnisse ist der überproportionale Verlust an magerer Muskelmasse bei rasantem Gewichtsverlust. Die Forschung (z. B. mit Wirkstoffen wie Bimagrumab oder Ponsegromab) konzentriert sich zunehmend auf Begleittherapien, die den Muskelabbau verhindern.
    Ich persönlich bin noch nicht sicher, ob es nicht einfach so ist, dass der Körper die Muskelmasse den neuen Gewichtsverhältnissen anpasst. Das werde ich aber nochmal versuchen zu recherchieren.
    Faktisch ist es schon wichtig, dass man muskuläres Training macht.

Wann bekommen die Medikamente Ihre Zulassung?

Kurzfristig (2026/Anfang 2027): Orforglipron (voraussichtlicher Handelsname Foundayo) sowie das Kombinationspräparat CagriSema haben den Weg der Zulassungsanträge (z. B. bei der FDA) bereits betreten oder stehen unmittelbar davor.

Mittelfristig (2027): Retatrutid schließt aktuell das massive „TRIUMPH“-Studienprogramm ab. Eine Marktzulassung wird im Laufe des Jahres 2027 erwartet, sofern die Langzeitdaten stabil bleiben.

Langfristig (ab 2027/2028): MariTide, Survodutid und VK2735 benötigen noch Zeit in ihren groß angelegten Phase-3-Studien und dürften frühestens ab 2027/2028 für die breite Versorgung zur Verfügung stehen.

Wie soll ich mir das merken?

Kein Problem. ich habe ein kleines Factsheet erstellt, was auch die Angaben zu den enstprechenden Studien enthält.

Wie Ihr seht, kommt da ganz ordentlich was und ich bin sicher, dass wir noch nicht am Ende sind.

Was ist wichtig zu beachten?

Bei all den Studien findet paralell begleitend eine konservative Lebensstilintervention statt. Ohne Lebensstiländerung hat man in der Regel kaum eine Chance dauerhaft die dargestellten Gewichtsverluste zu erreichen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Diätassistent:innen und Oecotropholog:innen sind da die richtigen Ansprechpartner.
Zu finden sind qualifizierte Fachkräfte unter anderem auf der „Plattform qualifizierte Ernährungstherapie und Ernährungsberatung e.V.“


Ein etwas gesünderer Lebenswandel ist am Ende auch kein Beinbruch. Und gerade wenn man Kinder hat, sollte man bei diesen Themen etwas Vorbild sein.

Am Ende steht dann noch die Frage, was die Medikamente kosten werden und können wir als Betroffene es erreichen, dass die Kosten hierfür erstattet werden? Im Sinne der sozialen Gerechtigkeit wäre dies überfällig. Gerade weil die Wissenschaft so viel über die Adipositas herausgefunden hat.

Vielleicht fragt Ihr mal Bundestagsabgeordnete aus Eurem Wahlkreis. Keine Ahnung wer das ist?

Da helfe ich gerne weiter:

Hier die Übersicht der Abgeordneten mit Suchfunktion

Schreibt ne Mail oder macht einen Termin im Wahlkreisbüro. Erzählt Eure Geschichte und erklärt, was es bedeutet als dicker Mensch zu leben, erkrankt zu sein und helfende Medikamente selbst zahlen zu müssen.

Im übrigen wird in Frankreich unter bestimmten Voraussetzungen die Spritz erstattet.
Welche das sind, erfährst Du hier.

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2 Kommentare

  1. Silvia Silvia 1. Juni 2026

    Endlich mal, etwas Aktuelles im Direktvergleich.
    Dazu noch verständlich erklärt.

    Dankeschln, Micha

    • Micha Micha Autor des Beitrages | 1. Juni 2026

      Danke, Silvia

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