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Wie wir uns über die Errungenschaften der Adipositas-Versorgung freuen

Es ist der 4. März, Welt-Adipositas-Tag.

Der kleine satirische – vielleicht auch sarkastische – Blick auf die Patient Journey 😉

Ein Tag, an dem wir als Gesellschaft kurz innehalten, um mit stolz geschwellter Brust auf die Meilensteine zurückzublicken, die wir in der Versorgung von Menschen mit Adipositas erreicht haben. Und wie könnte man diesen Erfolg besser feiern als mit einem einzigen, melancholischen Funken Hoffnung in einer Hand und der ernüchternden Frage „Mein Tag?“ in der anderen?

Genau wie die Dame auf dem Bild, die mit stoischer Traurigkeit aus dem verregneten Fenster blickt, während die Welt draußen ihre finanzierte Versorgungsautobahn feiert.

Denn seien wir ehrlich: Die wahre Errungenschaft ist nicht die Gewichtsabnahme selbst, sondern die herrlich nicht vorhandene Finanzierungsstruktur, die sie ermöglicht. Lassen Sie uns diesen Weg, diesen Patientenpfad (ein Wort, das klingt, als müsste man es mit einem Kreditantrag beantragen), huldigen.

Es beginnt so verheißungsvoll: der konservative Ansatz.

Ein unfinanziertes Labyrinth aus Ernährungsberatungen, Bewegungstherapien und verhaltenstherapeutischen Einheiten. Wir feiern die Idee, dass man mit genügend Formularen, Unterschriften und Krankenkassenbescheinigungen tatsächlich Willenskraft finanzieren kann. Zumindest teilweise. Also ehrlich gesagt, fast gar nicht. Der Patient ist endlich nicht mehr allein mit seinen Gedanken – er ist umgeben von Beratern, die alle dafür bezahlt werden, ihm zu sagen, was er eigentlich schon weiß. Ein Triumph der Bürokratie über das biologische Verlangen!

Ein Lichtblick sind die DiGA, die voll von den Kassen finanziert werden müssen. Sonst würden die das auch gerne abbügeln. Aus Kostengründen.

Mediziner:innen, die neben ihrem Hauptjob in Kliniken auch noch Beratungsangebote etablieren. Online und sogar Offline. Ganze „MMK Praxen“ werden hier nebenbei aufgebaut. Welch eine Energie in einem fordernden Hauptjob. Natürlich alles als IGeL … also Selbstzahler gegen Cash.

Und wenn das „Food Noise“ immer noch zu laut ist?

Nun, dafür haben wir jetzt die medikamentöse Therapie. Ein wahres Wunderwerk der Finanzierung: Eine Spritze, die nicht nur den Hunger dämpft, sondern auch das Bankkonto. Wir jubeln, dass wir endlich eine Pille (oder besser Spritze) haben, die so teuer ist, dass man sich das Essen danach sowieso kaum noch leisten kann. Eine geniale Form der Selbstregulierung durch finanzielle Obergrenzen! Immerhin wirkt sie in den meisten Fällen.

Und oh welch Wunder. Bei Patient:innen verschlechtert sich der Zustand nachdem sie das Medikament, welches für Menschen mit einer chronischen Erkrankung entwickelt wurde, absetzen.

Doch der wahre Höhepunkt, der Moment, in dem die Sektkorken knallen, ist die chirurgische Therapie. Ein magischer Eingriff, der nicht nur den Magen verkleinert, sondern auch die staatliche Gesundheitsausgabe für Typ-2-Diabetes in eine Einmalzahlung für ein Messer verwandelt. „Du bist ja den einfachen Weg gegangen“ habe ich oft gehört. Einen Sch… bin ich. Die meisten haben keine Ahnung welchen Weg wir gegangen sind.

Und dann, nach dem großen Schnitt, die postbariatrische Nachsorge. Hier wird der Pfad zur echten Kunstform. Wir feiern die Tatsache, dass wir zwar die Operation finanzieren, aber die Patienten danach oft mit ihren Supplementen, der kompletten neuen Lebenssituation und ihren ungelösten psychologischen Problemen allein lassen – oder, wie es das Bild so treffend zeigt, allein am Fenster mit einer kleinen, traurigen Wunderkerze. Ein Triumph der Effizienz: Das Ziel ist erreicht (Gewichtsabnahme!), der Patient ist versorgt (irgendwie), und die Buchhaltung ist glücklich. Wenn am Ende nicht wieder eine Wiederzunahme zuschlägt. Blutuntersuchungen möchte man dann auch lieber selbst bezahlen lassen. Budgetierung .. ihr versteht schon ….

Aber die Krönung, das absolute Highlight der Finanzierungsfreude, ist die Phase der Wiederherstellung nach extremer Gewichtsabnahme. Ein wahres Fest für jeden Fan von Ablehnungsbescheiden! Nach Jahren des Kampfes, der Entbehrungen und der Bürokratie steht der Patient vor der finalen Hürde: der Entfernung überschüssiger Hautlappen. Wie wir uns freuen, wenn die Krankenkasse mit juristischer Präzision erklärt, dass ein hautlappenbedingtes Ekzem zwar ein medizinisches Problem ist, die ästhetische Korrektur desselben aber eine „Wunschleistung“.

Es ist ein Moment der puren, satirischen Freude, wenn man dem Patienten gratuliert, dass er zwar die Adipositas besiegt hat, aber nun für den Rest seines Lebens in seiner eigenen, leeren Haut gefangen ist, weil es ja nur ein optisches oder psychisches Problem ist.

Also, erheben wir unsere (alkoholfreien) Gläser auf diesen Welt-Adipositas-Tag! Feiern wir die bürokratischen Hürden, die finanzierten Umwege und die wunderbare Fähigkeit unseres Gesundheitssystems, jeden Schritt dieses Pfades so zu gestalten, dass der Patient am Ende genau so einsam und nachdenklich an einem verregneten Fenster steht wie zuvor – aber hey, er ist jetzt schlank und hat ein tolles Abnahmeprotokoll in der Hand. Ein echter Grund zur Freude! „Mein Tag?“ Vielleicht, aber er ist zumindest gründlich dokumentiert und abgerechnet.

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