Zum Thema „Sammelklage in den USA wegen Semaglutid“ wurde ich in letzter Zeit häufiger angesprochen.
Ich versuche das hier mal etwas aufzudröseln (kennt noch jemand den Begriff?) und einzuordnen.
Achtung. Alle Infos sind Stand Mitte November 2025.
Sollte inhaltlich etwas nicht passen. Schreibt mich bitte an.
Zum Thema Medikamentöse Therapie hatte ich ja schon einiges geschrieben.
Keine Sammelklage in den USA
Hä? Was jetzt? Ja, richtig. Es handelt sich um eine Sammel-Bündelung von Einzelklagen (MDL) zu Semaglutid/GLP-1-Arzneien – und separate Anleger-Sammelklagen.
Ob es für die beklagten Unternehmen besser ist, kann ich nicht sagen.
Was ist passiert?
In den USA haben viele Menschen wegen schwerer Nebenwirkungen Klage gegen die Hersteller von GLP‑1‑Medikamenten eingereicht.
Die Klagen werden in einem großen Sammelverfahren gebündelt, dem sogenannten „Multidistrict Litigation (MDL 3094)“ am Bundesgericht in Philadelphia. Es handelt sich dabei nicht um eine einzige Sammelklage, sondern um viele Einzelklagen, die gemeinsam organisiert werden.
Welche Nebenwirkungen stehen im Mittelpunkt der Klagen?
In den Klagen geht es nicht um häufige, meist vorübergehende Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Durchfall, sondern um seltene, aber schwere Komplikationen.
Dazu gehören insbesondere:
- Schwere Magen‑Darm‑Probleme – zum Beispiel eine stark verzögerte Magenentleerung (Gastroparese, umgangssprachlich „Magenlähmung“) mit anhaltender Übelkeit, Erbrechen und zum Teil erheblichen Einschränkungen im Alltag.
- Darmverschluss (medizinisch: Ileus) oder sehr ausgeprägte Verstopfung, die teilweise einen Krankenhausaufenthalt oder sogar eine Operation notwendig machen.
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis).
- Seltene Sehstörungen bis hin zu plötzlichem Sehverlust. In manchen Klagen wird z. B. eine seltene Erkrankung des Sehnervs (NAION) erwähnt.
Die Betroffenen werfen den Herstellern vor, nicht früh genug und nicht deutlich genug vor diesen Risiken gewarnt zu haben.
Die Unternehmen bestreiten in der Regel einen ursächlichen Zusammenhang oder verweisen darauf, dass Risiken bekannt und im Beipackzettel aufgeführt seien. Die gerichtliche Klärung, ob und in welchem Umfang Semaglutid diese Schäden verursacht, läuft noch
Wie haben die Arzneimittelbehörden reagiert?
Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat die Fachinformationen (Beipackzettel) von Ozempic®, Wegovy® und ähnlichen Medikamenten mehrfach ergänzt. Unter anderem wurden Hinweise zu Darmverschluss, schwerer Verstopfung und verzögerter Magenentleerung aufgenommen.
Die Medikamente bleiben aber zugelassen. Die Behörden gehen derzeit davon aus, dass der Nutzen bei vielen Patient:innen größer ist als die Risiken – vorausgesetzt, das Medikament wird korrekt eingesetzt und überwacht.
- 2023: Aufnahme eines Warnhinweises zu Ileus (Darmverschluss) in die Ozempic-Produktinformationen.
- 2024: Ergänzung zu verzögerter Magenentleerung und dem Risiko von Aspiration während Narkose bei GLP-1-Therapie
- 2025: Aktualisierte Ozempic-Labelversion listet u. a. Ileus, Darmverschluss, schwere Obstipation als mögliche unerwünschte Wirkungen in der Post-Marketing-Sektion.
Regulatorisch bedeutet das:
- Die FDA sieht reale, ernstzunehmende Risiken, hält aber das Nutzen-Risiko-Verhältnis insgesamt noch für positiv, wenn das Medikament korrekt eingesetzt und überwacht wird.
- Gleichzeitig liefern diese Label-Updates natürlich Munition für Kläger:innen, die argumentieren, dass Novo Nordisk zu spät und zu wenig deutlich gewarnt habe.
Was ist wichtig für uns als Nutzer der Medikamente?
Wenn Du Semaglutid einnimmst, bedeutet das nicht automatisch, dass Du diese schweren Nebenwirkungen bekommst. Die beschriebenen Komplikationen sind selten, aber sie müssen ernst genommen werden.
Wichtig ist, dass Du auf Warnsignale achtest und bei Bedarf schnell handelst.
Suche umgehend ärztliche Hilfe (Hausarztpraxis, Notdienst oder Notaufnahme), wenn Du z. B. bemerkst:
- starke, anhaltende Bauchschmerzen, eventuell mit Übelkeit und Erbrechen
- mehrtägige, ausgeprägte Verstopfung oder gar kein Stuhlgang mehr
- häufiges, anhaltendes Erbrechen, sodass Sie kaum noch Essen oder Trinken bei sich behalten können
- plötzlich aufgetretene starke Sehstörungen oder Sehverlust auf einem Auge
- starke Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen (möglicher Hinweis auf eine Pankreatitis)
Ein paar Punkte zur Einordnung, ohne juristische oder medizinische Beratung zu ersetzen:
- Die Verfahren sind noch im Fluss
Es gibt bisher keine großen, finalen Vergleichssummen oder Grundsatzurteile zur Haftung von Novo Nordisk wegen Semaglutid-Nebenwirkungen – vieles befindet sich in der frühen bis mittleren Phase der MDL-Struktur. - Nicht jede Nebenwirkung = Anspruch
Klagen richten sich auf schwere, dauerhafte Schäden (Gastroparese, Ileus, Pankreatitis, massiver Sehverlust etc.), die medizinisch dokumentiert und plausibel mit der Therapie verknüpft sind. Leichte oder vorübergehende Beschwerden reichen in der Regel nicht. - Causality ist medizinisch umstritten
Viele Erkrankungen, z. B. Gastroparese oder Pankreatitis, können auch ohne Semaglutid auftreten (z. B. bei Diabetes selbst). Genau diese Abgrenzung ist Kern der medizinischen und juristischen Debatte.
Wichtige Hinweise:
- Setze das Medikament nicht eigenmächtig ab. Spreche immer zuerst mit Deiner behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.
- Teile bei jedem Arztkontakt mit, dass Du ein GLP‑1‑Medikament (z. B. Semaglutid) einnimmst. Das ist z. B. vor Narkosen oder Operationen wichtig.
Lasse Dich regelmäßig untersuchen und bespreche neue oder ungewöhnliche Beschwerden zeitnah.
Die letzten Hinweise sind auch wirklich das wichtigste.
Diese Medikamente sind keine Vitamine, die man sich mal eben so reinhaut. Es sind Medikamente, die eben auch Nebenwirkungen beinhalten. Und diese sind eben total unterschiedlich.
Nie Ohne medizinische und therapeutische Begleitung
Und das vergessen viele ganz gerne. Die Spritze allein macht nicht schlank. Sie wirkt am besten unter ärztlicher und therapeutische Begleitung, wie sie zum Beispiel Ernährungsfachkräfte des VDD e.V. oder VDOE e.V. anbieten. Auch solltet Ihr auf Euren Vitamin- und Mineralhaushalt achten, da die geringe Nahrungsaufnahme auch eine Mangelversorgung zur Folge haben kann kann.
Passt auf Euch auf und hört auf Euren Körper

Schwere Magen- Darmbeschwerden sind ja schon länger im Gespräch und kommen vor. Auch bei Liraglutid schon . Pankreatitis als mögliche Komplikation steht auch drin . Und…Ich hatte sie nach Victoza. Vor 3 Jahren auf dem Adipositastag hab ich das in einer öffentlichen Fragestellung dem Referenten so mitgeteilt und da kam noch , da haben sie aber Pech , das es auftrat , denn das gibt’s sonst nicht. Nur gut , daß mehr darauf hingewiesen wird bei allen Spritzen, denn Pankreatitis kann lebensgefährlich werden.