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Das Los der Patientenvertretungen

Kennen Sie das Los der Patientenvertretungen?

Vor ein paar Jahren hat mir jemand aus dem Bundestag mal gesagt „Sie sind ja auch Lobbyist“. Bis heute bin ich nicht so sicher ob dies abwertend gemeint war, aber prinzipiell ist es ja richtig.

Ich versuche – wo immer ich auch bin – die Interessen der Patienten zu vertreten. Zu Beginn lediglich der Betroffenen, die an der Adipositas erkrankt sind. Mittlerweile durfte ich zu viele anderen Themen im Gesundheitswesen einen Einblick zu gewinnen, wofür ich allen, die sich Zeit nehmen, sehr dankbar bin.

Nun kommt es ja auch vor, dass ich zu Veranstaltungen eingeladen werde und zu bestimmten Sachverhalten aus der Erfahrung von Patienten berichten darf.

Nicht immer sind Anwesende über das, was ich sage, auch so glücklich.

Ein Beispiel:

Bei einer Veranstaltung ging es um die Versorgungssituation der Adipositas. Das diese prinzipiell erstmal ziemlich bescheiden ist, konnte niemand bestreiten. Als ich dann auf die postoperative Versorgung von Betroffenen zu sprechen kam und monierte, dass viele niedergelassenen Ärzte Ihren Patienten wichtige Blutwerte lediglich als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) anbieten und nicht als Kassenleistung.

Daraufhin entgegnete ein Mediziner, dass dies so nicht wäre, denn die Leistungen wären ja über die GKV abgedeckt. Ich hatte das Gefühl – welches mir von anderen bestätigt wurde – dass er sich hier etwas ungerecht angeprangert sah. Was nie meine Absicht war.

Anderes Beispiel Prävention nach §20 SGB V bzw. Reha §43 SGB V

Je nach Krankenkasse werden diese Leistungen – insbesondere die Ernährungstherapie – unterschiedlich bezuschusst. Oder auch gar nicht. Manche Betroffenen suchen sich die Krankenkasse nach Höhe dieser Bezuschussung aus, da eine Ernährungstherapie auch nicht günstig ist. (Wehe die Ernährungstherapeuten fühlen sich jetzt angegriffen). Und eben, dass hier bestimmte Leistungen eben als Marketinginstrument genutzt werden.

Ein Vertreter einer Krankenkasse erklärte mir dann, dass die Kasse nur das Geld ausgeben kann was sie hat und so weiter. Als ob ich es geahnt hätte. Ich schätze ihn trotzdem sehr. 😉

Was ist der Job der Patientenvertretung?

Unser Job ist es, die Interessen der Patienten zu vertreten. Aufmerksam machen und dadurch vielleicht positive Änderungen zu bewirken. Auch wollen wir zum besseren gegenseitigen Verstehen beitragen. Und wenn wir von Erfahrungen berichten, die vielleicht nicht so positiv sind, dann brauche ich keinen Gegenüber der mir sagt „Kann nicht sein“. Denn somit stellt man mich und viele andere als Unglaubwürdig hin. Ich kann doch nichts dafür, dass solche Dinge passieren. Ich zeige sie nur auf.

Manchmal fühle ich mich wie bei den alten Griechen.

Der Überbringer schlechter Nachrichten …

… Sie wissen schon.

Umgekehrt ist es, wenn Mediziner und Therapeuten von mangelnder Compliance von Patienten berichten. Nie würde ich mich hinstellen und sagen „Niemals“. Mal abgesehen davon, dass ich auf die Erfahrung der Behandler vertraue, erlebe ich es auch selbst.

Letzten Endes wissen wir Patientenvertretungen schon wie es läuft oder aber warum etwas nicht läuft. Aber es ist eben im ersten Schritt nicht unsere Aufgabe zu erklären warum etwas nicht funktioniert. Und wir wissen auch sehr gut, dass vieles politisch gelöst werden muss. Und ja, auch wir haben Lösungsansätze und Ideen.

Auch ist uns bewußt, dass niedergelassene Mediziner sich mit Themen wie Budgets herumschlagen müssen oder dass die Krankenkassen nun in der Regel auch nicht gerade über unbegrenzte Mittel verfügen.

Liebe Mediziner, Therapeuten und Krankenkassen, die Ihr Euch aktiv engagiert.

Ich will Euch nichts böses. Und viele andere Patientenvertretungen die ich kenne, wollen das auch nicht. Ich bin ziemlich sicher, dass alle wissen wo die Probleme liegen und wie man dies lösen könnte.

Aber tragt dies bitte nicht auf dem Rücken der Patienten / Kunden aus. Adressiert es da wo es hingehört. Und dies gerne mit Unterstützung der Patientenvertretungen.

Und wenn man Euch von seltsamen Dingen berichtet, die es bei Euch nicht gibt, dann wehrt es nicht sofort ab sondern hinterfragt es.

Dafür wären wir Patientenvertreter sicherlich dankbar. Ich auf jeden Fall.

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