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Naht nun das Ende?

Die Frage „Naht nun das Ende?“ stellen wir alle uns wahrscheinlich seit ein paar Tagen oder Wochen.

Nein, damit meine ich natürlich nicht ob es mit uns zu Ende geht. Vielmehr ob wir nun langsam aber sicher weiter in die Normalität zurückkehren können. Der Normalität, wie sie vor COVID-19 war.

Für mich stellt sich die Frage, welche Normalität?

Vor etwas mehr als einem Jahr haben ja wir alle irgendwie eine Vollbremsung gemacht. Ich hätte allerdings nie gedacht, dass diese so heftig und so lange dauern wird.
In China bzw. Asien ein neuer Virus hatten wir schon öfters. Getroffen hatte uns als Europäer das jedoch in der Vergangenheit kaum. Doch dieses mal sollte es anders kommen.

Die Entschleunigung

Wenn ich ehrlich bin, fand ich das zu Beginn gar nicht so schlecht. Für mich war das eine Art Entschleunigung. Viele Veranstaltungen wurden abgesagt oder Treffen wurden in Online-Meetings verlegt.
Arbeitsgruppentreffen, für die ich vorher durch die Republik gereist bin, wurden auf einmal in 3 Stunden online abgehandelt. Was für eine Zeitersparnis. Und auch finanziell hat sich das bemerkbar gemacht. Keine Reisekosten, keine Übernachtungen, mehr Zeit zu Hause.

Anfangs war ich sogar neidisch, dass viele auf einmal Home-Office machen konnten. In meinem Job nur schwer möglich. Im nachhinein stellte es sich für mich als Glücksfall ein. Dazu später mehr.

Digitalisierung in allen Bereichen

Auch die Selbsthilfegruppen begannen sich online zu treffen. Betroffene, die sonst wenig Möglichkeiten hatten an den Gruppentreffen teilzunehmen, waren auf einmal dabei. Doch nicht alle konnten sich damit anfreunden und es blieben auch viele auf der Strecke.

Insgesamt nahm das Thema „Digital“ einen hohen Stellenwert ein. Und es zeigte sich auch, wie schlecht es in Deutschland rund um das Thema steht. Gerade wenn man sich das Thema Bildung bzw. Schule anschaut. Totales politisches Versagen.

Im Gesundheitswesen gab es einen Schub und vieles wurde gestartet. Oft etwas holprig aber es ging los. Und es wird noch dauern bis es so läuft, dass es alle nutzen können. Anstatt zu meckern sollten wir versuchen, dies immer ein wenig besser zu machen.

Was das alles mit mir gemacht hat

In meinem Job war Home-Office auch schwer möglich. Dies hatte den Vorteil, dass ich jeden Tag auch unter anderen Menschen war. Arbeit hatten wir auch mehr als genüge.
Was gewesen wäre, wenn ich über Monate im Home-Office gewesen wäre oder der Betrieb in massiver Kurzarbeit hätte sein müssen, möchte ich mir gar nicht ausdenken.

Bis zum Jahreswechsel 2020/2021 hatte ich auch keine Probleme mit Lockdown und ähnlichem. Ja, Masken sind nervig aber wenn es nur eine geringe Chance gibt, dass es hilft diesen Virus einzudämmen, dann mache ich auch das. Und wie viele andere auch, haben mir tödliche Verläufe von COVID-19 im nahen Umfeld gezeigt, wie gefährlich dieses Virus ist.

Meine Motivation ging gegen Null

So im Februar diesen Jahres spüre ich allerdings langsam, dass bei mir eine Grenze erreicht wird. Mein Motivation und meine Energie liessen merklich nach. Ich hatte viele Ideen aber mir fehlte die Kraft und die Ausdauer diese umzusetzen. Ich war einfach nur müde. Kam nach Hause setze mich an den Rechner, wollte etwas umsetzen und konnte einfach nicht. Der Kopf war leer.
Über mehrere Wochen lies ich es einfach geschehen. Fand keinen Weg daraus. Aufgaben blieben einfach liegen oder angefangene Dinge führte ich einfach nicht weiter.
Dies frustrierte mich noch mehr. Aber ich kam einfach nicht raus aus dem Loch.
Ein völlig neue Situation für mich. Es blieb einfach zu viel auf der Strecke.

Ich höre auf

Auch das war ein Gedanke, der mich beschäftigte.
Warum machst das alles? Für wen? Warum soll ich meine freie Zeit und meinen Urlaub für Dinge investieren, wo ich nichts davon habe. Oder wo die Lorbeeren für jahrelange Vorarbeit an andere gehen, die sich eben besser inszenieren können? Vielleicht sich auch besser in einer Rolle darstellen können und hier etwas verkörpern können, was sie vielleicht in Wahrheit gar nicht sind?
Letztendlich ist es mir dann doch egal. Ich trenne mich von dem was mir nicht gut tut und wo ich das Gefühl habe lediglich Steigbügelhalter zu sein. Ich weiß, was ich weiß und ich weiß sicherlich was ich nicht kann.

Geht es wieder vorwärts?

Irgendwann in den letzten Tagen kam der Punkt, wo ich merkte, dass ich wieder etwas mehr tun möchte. Auch wenn die Konzentrationsphasen nach der Arbeit noch nicht da sind, wo ich sie gerne hätte. Oder wo sie früher mal waren
Die Gründe sind sehr unterschiedlich.
Familiär haben sich Steffy und Sarah unheimlich viel Mühe gemacht meinen Geburtstag so zu gestalten, dass ich und alle anderen Spaß daran hatten. Das ist den beiden auch gelungen.
Die große Party musste leider ausfallen. Die holen wir im nächsten Jahr aber nach. Versprochen.

Dafür häppchenweise nahezu jeden Tag eine neue Überraschung. Ich möchte allen Danken, die hier mitgemacht haben. Und meinen beiden Mädels, die „geheim“ so viel organisiert haben.
Ausserdem freue ich mich riesig darauf, dass ich bald Opa werde.

Auch habe ich schon eine erste Einladung für eine Panel-Diskussion in Berlin, die Ende Juni stattfinden soll. Endlich mal wieder direkt agieren.
Eine Selbsthilfegruppe plant aktuell im Oktober einen Gesundheitstag, bei dem wir unterstützen und teilnehmen dürfen. Im Juli findet unser erstes Seminar nach vielen Monaten statt.

Mehr als ich dachte, brauche ich die sozialen Interaktionen mit den Menschen vor Ort. Also Live. Bei vielen Themen geht es auch um Emotionen und auch Feedback von den Menschen, die vor uns sitzen oder stehen. Das ist online nur schwer möglich. Auch die Gespräche nebenher oder einfach mal gemütlich zusammensitzen.
Man weiß erst was man hatte, wenn man es nicht mehr hat.

Weitermachen wie früher?

Eine Frage, die sich für mich nun wirklich stellt. Und diese Frage zieht unwillkürlich weitere Fragen nach sich.

  • Muss ich überall dabei sein?
  • Will ich überall dabei sein?
  • Muss ich mehr Priorisieren?
  • Will ich als Patientenvertreter irgendwo dabei sein, wo Patienten nur als Alibi dabei sind?
  • Versuche ich weiter zu erreichen, das wir Patientenvertreter mehr als Storyteller sind? Das wir inhaltlich auch Ahnung haben? Oder ist das ein Kampf gegen Windmühlen?

Ich habe noch keine Ahnung wie sich alles entwickeln wird. Eigentlich möchte ich eher als Brücke zwischen Patienten, der Selbsthilfe und den vielen anderen Gruppieren fungieren.
In erster Linie sehe ich mich aber als Sprachrohr der Patienten

Eine letzte Bitte an Alle

Auch wenn die COVID-19 Infektionszahlen stetig sinken und die Impfungen weiter voran gehen.
Bleibt bitte vorsichtig und helft mit, dass wir in unserer Euphorie die Zahlen nicht weiter nach oben treiben.

Was hat die Zeit mit Euch gemacht?

Wie ist es für Euch? War alles schlecht? Was war gut?

 

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Ein Kommentar

  1. Susanne Hagedorn Susanne Hagedorn 24. Mai 2021

    Danke für diesen Beitrag. Mir ging es ähnlich. Im vergangenen Jahr bin ich noch relativ entspannt mit Virus, Lockdown etc. umgegangen. Wobei die Anfragen für die Ernährungstherapie zurückgegangen sind. Wir wussten ja alle nicht was da so abläuft. Ich konnte die Sorge meiner Patient*innen auch verstehen. In der dunklen Jahreszeit kam dann auch eine Art „Loch“, diese Müdigkeit und das Unverständnis für die Aussagen einiger Menschen. Ich hatte aber auch viel Zeit zum Nachdenken, ich habe mich in die Online- Beratung reingefuchst, hatte viel mehr Kontakt zu Kolleg*innen, die ich sonst nur ganz wenig sehe weil sie halt so weit weg wohnen. Zwischendurch kam auch kurz der Gedanke hoch ob es noch sinnvoll ist meine Arbeit weiter zu machen, aber das war wirklich nur ganz kurz. Letztendlich kam dabei raus, dass ich mich doch noch breiter aufstelle, dass ich eine Zusatzausbildung mache und das ich gemeinsam mit einer Kollegin etwas auf den Weg bringe für Frauen in den Wechseljahren. Gerade im Moment sehr viel Energie und Spaß am Weitermachen, wobei ich aber nicht alles mitnehmen werde. Ich muss nicht auf jeder Hochzeit tanzen. 😉 Und ich schließe mich deinem Appell an: Gerade jetzt nicht unvorsichtig werden. Noch ein bisschen durchhalten.

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