Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Hilfe, die Gans kommt!

Der Überlebensguide für die Feiertage

Nur noch wenige Tage, dann ist es soweit. Weihnachten steht vor der Tür. Für die meisten bedeutet das: Geschenke, Familie und Besinnlichkeit. Für uns Menschen mit Adipositas – egal ob wir operiert sind, die Spritze nutzen oder den ganz konservativen Weg gehen – bedeutet es oft: Alarmstufe Rot.

Überall duftet es.

Hier ein Plätzchen, da ein Glühwein, und Oma ist beleidigt, wenn man den dritten Knödel verweigert. Die Ängste sind bei uns allen ähnlich:

  • „Überfresse ich mich wieder?“
  • „Spielt mein Magen (oder die Spritze) verrückt?“
  • „War dann alles umsonst?“

Egal, wo Ihr auf Eurer Reise steht: Man kann Weihnachten überleben – und sogar genießen. Aber man braucht einen Plan.

Strategie 1: Bloß nicht hungern!

Der größte Fehler, den ich früher gemacht habe: „Heute Abend gibt es das große Festessen, also esse ich den ganzen Tag nichts.“ Tödlich. Für jeden.

Wenn Du mit Heißhunger am Tisch sitzt, setzt der Verstand aus.

  • Ohne OP: Der Blutzucker ist im Keller, der Körper schreit nach Energie, Du isst schneller als Du denken kannst -> Fresskoma.
  • Mit OP/Spritze: Du schlingst, weil der Kopf „Hunger“ brüllt, obwohl der Magen oder das Medikament eigentlich schon „Stopp“ sagt. Das Ergebnis: Schmerzen oder Übelkeit.

Mein Tipp: Esst tagsüber normal (vor allem Eiweiß!). Wer nicht ausgehungert zum Festessen kommt, hat die Kontrolle.

Strategie 2: Rosinenpicken (Qualität vor Quantität)

Mein Magen hat nur begrenzten Platz. Und wer Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro nimmt, kennt das auch: Das Sättigungsgefühl kommt früher und härter. Warum sollten wir diesen kostbaren Platz mit trockenem Brot oder langweiligen Beilagen verschwenden, die wir das ganze Jahr essen können?

Ich schaue mir das Buffet oder den Tisch genau an und frage mich: Was ist das absolute Highlight hier? Ist es der Rotkohl? Die Soße? Das spezielle Dessert? Genau davon nehme ich mir eine Portion und genieße sie bewusst. Den „Füllstoff“ lasse ich weg. Wenn schon Kalorien, dann für das Zeug, das richtig gut schmeckt.

Strategie 3: Die Glühwein-Falle

Thema Alkohol und Zucker. Wir wissen alle: Flüssige Kalorien laufen einfach so durch. Gerade an Weihnachten lauert hier die Gefahr.

  • Für Operierte: Zucker und Alkohol sind oft der direkte Weg ins Dumping (Schweißausbrüche, Zittern, Kreislauf).
  • Für Medikations-Nutzer: Alkohol verträgt sich oft schlecht mit den Medikamenten, Sodbrennen oder Übelkeit sind vorprogrammiert.
  • Für alle anderen: Es sind leere Kalorien, die den Insulinspiegel Achterbahn fahren lassen -> noch mehr Hunger auf Süßes.

Ich mache es so: Ich nippe mal zum Anstoßen, aber bleibe dann bei Wasser oder Tee. Ein klarer Kopf und ein ruhiger Magen sind mir wichtiger als der dritte Punsch.

Strategie 4: „Nein, Oma, ich sterbe nicht“

Das Schwierigste ist oft gar nicht das Essen, sondern das soziale Umfeld. „Ach Junge, Du hast ja kaum was gegessen!“ „Schmeckt es Dir nicht?“

Essen ist oft eine Währung für Liebe. Wer ablehnt, lehnt (gefühlt) die Zuneigung ab. Aber hier müssen wir egoistisch sein. Ich sage mittlerweile ganz offen: „Es ist super lecker, aber ich bin pappsatt. Ich mache jetzt eine Pause, mir wird sonst schlecht.“

Egal ob Euer Magen verkleinert ist oder das Medikament Euch bremst: Hört auf dieses Stopp-Signal. Lasst Euch kein schlechtes Gewissen einreden. Ihr seid da, um Zeit mit der Familie zu verbringen, nicht um als Müllschlucker zu fungieren.

Strategie 5: Weg mit dem Bunten Teller

Der „Bunte Teller“ mit Keksen und Schokolade steht oft den ganzen Tag auf dem Wohnzimmertisch. Und jedes Mal, wenn man vorbeigeht, greift man zu. Das ist pures automatisiertes Verhalten – das passiert völlig unbewusst.

Baut Euch Hürden. Stellt den Teller in den Schrank. Wer was will, muss aufstehen, den Schrank öffnen und es holen. Diese kleine Hürde reicht oft schon, um das „Vorbeigeh-Naschen“ zu stoppen. Das gilt für uns alle gleichermaßen.

Mein Fazit: Seid gnädig mit Euch

Weihnachten sind drei Tage im Jahr. Wenn Ihr an einem Tag mal über die Stränge schlagt: So what? Davon nimmt man nicht sofort 5 Kilo zu. Wichtig ist nicht, was zwischen Weihnachten und Neujahr passiert, sondern was zwischen Neujahr und Weihnachten passiert.

Genießt die Zeit, die Gespräche und ja, auch das gute Essen – aber hört auf Euren Körper. Der sagt Euch ziemlich genau, wann Schluss ist.

Wie macht Ihr das an den Feiertagen? Habt Ihr spezielle Tricks, um die „Völlerei“ gut zu überstehen?

Facebooktwittermail

Ein Kommentar

  1. Melanie Melanie 20. Dezember 2025

    Danke für diesen ehrlichen und hilfreichen Beitrag. Ich erkenne mich in so vielen Punkten wieder – gerade das Thema Hungern „für das große Essen“ und der soziale Druck am Tisch. Die Strategien sind alltagstauglich, realistisch und nehmen viel Angst raus. Besonders wichtig finde ich den gnädigen Blick auf sich selbst: Weihnachten sind ein paar Tage, kein Maßstab für den eigenen Wert oder den gesamten Weg. Genau solche Texte helfen, mit mehr Ruhe, Klarheit und Selbstvertrauen durch die Feiertage zu gehen. Lg Melanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.