Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Buchrezension: „Mein Kind ist zu dick“ von Dr. med. Mark Dankhoff – Ein starker Ratgeber, aber das System bleibt in der Pflicht

Als Mark mir erzählte „Ich schreibe ein Buch“, dachte ich zuerst „Super, das hat die Welt noch gebraucht“.
Dann der Titel „Mein Kind ist zu dick“. Zu oft habe ich in den letzten Jahren erlebt, wie das Thema Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen durch reißerische Begriffe, erhobene Zeigefinger und Schuldzuweisungen aufgeladen wird.

Aber nun kenne ich Mark Dankhoff schon etwas länger und weiß, dass man hier eben keinen reißerischen Diät-Guru vor sich hat. Als Facharzt für Allgemeinmedizin, Ernährungsmediziner, Diabetologe und langjähriger Leiter einer Fachklinik für Kinder- und Jugendadipositas kennt er die medizinischen Fakten ebenso gut wie die psychosozialen Nöte der Betroffenen.

Mit seinem im TRIAS Verlag erschienenen Buch legt er einen Ratgeber vor, der vor allem eines tut: Eltern entlasten, anstatt sie noch weiter zu beschuldigen.

Kein „Weniger essen, mehr bewegen“ – sondern echte Strategien

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Die größten Verletzungen entstehen nicht durch die Kilos auf der Waage, sondern durch die Stigmatisierung und das Unverständnis des Umfelds. Wie oft hören Eltern dieselben Sätze. „Ihr müsst halt strenger sein“ oder „Lass das Kind doch einfach mehr Sport machen.“

Genau mit diesen veralteten Dogmen räumt Mark Dankhoff gründlich auf. Adipositas ist eine chronische, komplexe Erkrankung und kein persönliches oder erzieherisches Versagen.

Das Buch punktet durch sehr pragmatische, alltagstaugliche Lösungsansätze:

  • Enttabuisierung statt Strenge: Statt Süßigkeiten komplett zu verbieten – was nachweislich nur Heißhunger und heimliches Essen fördert –, stellt er praxiserprobte Systeme wie die „Naschtaler“ vor.
  • Ernährung & Gefühl: Der Fokus liegt darauf, das natürliche Sättigungsgefühl wiederzuentdecken und Essen nicht als Belohnung oder Trösterchen zu missbrauchen.
  • Psyche & Selbstwert: Ein für mich besonders gelungenes Kapitel widmet sich der mentalen Gesundheit. Wie schütze ich mein Kind vor Mobbing? Wie stärke ich seinen Selbstwert, wenn die Gesellschaft und die Schule jeden Tag Signale der Ausgrenzung senden?

Mein Fazit

Dr. Mark Dankhoff hat mit „Mein Kind ist zu dick“ ein wichtiges und fachlich fundiertes Buch geschrieben. Es begegnet Kindern und Eltern auf Augenhöhe, verzichtet auf erhobene Zeigefinger und gibt Familien konkrete Werkzeuge an die Hand, um den Teufelskreis aus Scham und Überforderung zu durchbrechen.

Für betroffene Eltern ist dieses Buch eine klare Empfehlung und eine echte Stütze für das eigene Zuhause.

Gleichzeitig bleibt mein Appell an die Gesundheitspolitik: Wir dürfen die Verantwortung für eine chronische Erkrankung nicht dauerhaft ins private Wohnzimmer der Familien verschieben. Wir brauchen endlich tragfähige Versorgungsstrukturen, wirksame Prävention und ein Ende der Stigmatisierung auf allen Ebenen unseres Gesundheitssystems.

Facebooklinkedinmail

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.