Studie: Internet als Ratgeber

dr_google

In einer Studie hat sich die Bertelsmann Stiftung mit dem Thema „Internetratgeber für Patienten“ befasst. Hier wird dann auch aufgeschlüsselt, wie sehr die Menschen welchen Portalen / Seiten vertrauen. Erschreckend fand ich, dass „gesundheitsinformation.de“ so schlecht abgeschlossen hat. Ich vermute, da man diese Seite kaum kennt und nicht weiß wer dahinter steckt. Nämlich ein wissenschaftliches Institut, welches für das Gesundheitsministerium und den G-BA aktiv ist. So haben es auch die Studienersteller beurteilt.

Ich finde das Thema „Dr. Internet“ oder „Dr. Google“ sehr interessant, da es uns beim Thema Adipositas sehr häufig betrifft. Wie wahrscheinlich bei vielen anderen Krankheitsbildern auch. Weiterhin ist es ein Trend, der im Bereich #Patientenkompetenz angesiedelt und auch sehr wichtig ist.

Viele Selbsthilfe- und Patientenverbände wünschen sich, dass die Patienten sich über ihre Krankheit informieren und sich damit befassen.

Das Problem bei der ganzen Sache ist nur leider, dass im Internet auch viele falsche Informationen verbreitet werden. Daher kann ich so manchen Mediziner bzw. Therapeuten sehr gut verstehen, wenn er / sie manchmal am Rande der Verzweifelung ist.

Dem Patienten kann man da ja keinen Vorwurf machen. Er / Sie (ich verzichte nun auf das er / sie, es sind immer alle Geschlechter gemeint) vertraut auf das was veröffentlicht wird. Wie soll man denn immer genau herausfinden was denn nun seriös ist und was nicht?

Auf manchen Internetseiten – auch seriösen – werden auch teilweise veraltete Infos bereitgestellt. Oder aber es werden teilweise wichtige Infos nicht bereitgestellt, weil es vielleicht keine eindeutige Studienlage gibt.

Ein Beispiel? Aber natürlich. Thema Supplementation nach bariatrischem Eingriff -> MagenOP 😉

Ein strittiges Thema ist immer die Art des Calciums. Carbonate oder Citrate?
Viele stehen auf dem Standpunkt, dass Carbonate nicht ausreichend sind. Gerade beim Magenbypass wo Teile des Darms ausgeschaltet sind und eine Aufsplittung und Aufnahme der Vitamine in diesen Bereich kaum noch möglich sind. Auch werden Citrate im Körper besser „gewandelt“. Also verfügbar gemacht.
Einen Calcium Mangel im Blut nachzuweisen ist immer schwierig, wenn gar unmöglich. Das fehlende Calcium wird aus den Knochen und Zähnen geholt. Lediglich der Wert des Parathormon kann einen Mangel nachweisen. Und wenn es zu spät ist, auch eine Knochendichtemessung.

Leider gibt es keine ausreichende Studienlage hierzu, zumal diese Probleme meistens erst >10 Jahre Post-OP auftauchen können. Und dieser Zeitraum ist aktuell weniger erforscht.
Also weigert man sich, diese Citrate zu empfehlen und setzt die Patienten der Gefahr einer Osteoporose aus. Ähnlich wie es lange Jahre mit der Dauermedikamentation von Pantroprazol war.

Im Internet finden sich dann immer wieder Berichte, dass Carbonate ausreichen, obwohl die Untersuchungen maximal bis 1 Jahr Post OP gehen und dann auch noch an Hand der Standardblutuntersuchung nachgewiesen werden.

Daran orientieren sich die Patienten. Und dann haben wir wieder Facebook, wo Betroffene berichten, dass sie mit Carbonate keine Probleme haben. Meistens rufen diejenigen am lautesten, die gerade mal 6 Monate operiert sind.

Und man möchte das dann glauben, weil es ja auch günstiger ist.

Gibt es denn eine Empfehlung?

Aber letztendlich empfiehlt die ASMBS als einer der Vorreiter in der Thematik, die Einnahme von Citraten.

Gastric bypass and malabsorptive procedures:
Supplementation after gastric bypass should include calcium citrate 1,200–1,500 mg/d, which can be taken in 2–3 split doses, 4–5 hours apart for optimal absorption [25]. Minimum vitamin D intake of 3000 IU/d, titrate to >30 nl/mL. Calcium citrate is preferable to calcium carbonate due to better absorption in the absence or reduction of gastric acid. Supplementation after BPD and BPD/DS should include calcium of 1800–2400 mg/d and minimum vitamin D 3000 IU/d, titrate to >30 nl/mL [[1], [2]].

Übersetzt heisst das

Ergänzung nach Magenbypass sollte Calciumcitrat 1.200-1500 mg / d enthalten, das in 2-3 Teildosen, 4-5 Stunden für optimale Absorption genommen werden kann [25]. Minimale Vitamin-D-Aufnahme von 3000 IE / Tag, Titration auf> 30 nl / ml. Calciumcitrat ist aufgrund der besseren Absorption in Abwesenheit oder Reduktion von Magensäure Calciumcarbonat vorzuziehen. Supplementierung nach BPD und BPD / DS sollte Kalzium von 1800-2400 mg / d und mindestens Vitamin D 3000 IE / d, titrieren bis> 30 nl / ml [[1], [2]].

Es gibt auch genügend Beispiele, wo der Arzt Vorgaben macht bzw. Empfehlungen gibt und diese dann im Internet in Frage gestellt werden. Viele suchen sich dann die für sich passende Antwort raus. Weil es einfacher ist. Ein gutes Thema ist auch die vielgehasste „Eiweiß-Phase“ vor einem Eingriff.
Leute, das ist auch ein Test für Euch, damit ihr seht wie es nach der OP ist. Beobachtungen zeigen, dass Personen, die eine Eiweiss-Phase vor OP durchgezogen haben, später besser klarkommen und eine bessere Compliance haben.

Was ich letztendlich sagen will. Wir Menschen versuchen mit Masse immer den für uns angenehmsten Weg zu gehen. Welcher nicht immer der Richtige ist. Das Internet gibt uns die Möglichkeiten diese einfachen Wege zu finden. Wir sollten daher lieber schauen, wo wir verlässliche Information finden können und diese trotz allem zu hinterfragen. Nämlich mit meinem Arzt oder Therapeuten. Termin vereinbaren. Informationen zusammenpacken und hingehen.

Und hinterfragt bitte die Quellen Eurer Informationen.

  • Werden diese von irgendwo her gezielt gesteuert?
  • Will da einer was verkaufen?
  • Besitzt derjenige denn überhaupt die Hintergrundinformationen um seine „Empfehlungen“ zu belegen?

Ihr kennt das ja … „Vertraue mir“ …

vertraue_mir

Ich kann allerdings auch Ärzte verstehen, die von Patienten genervt sind, die bereits mit einer „Dr. Google Diagnose“ in der Praxis aufschlagen. Also habt auch ein wenig Verständnis für Euren Arzt.

 

Ach ja … die Studie gibt es hier und wer einmal eine Übersicht über die verschiedenen Vitamine mit Inhaltsstoffen sehen will .. die gibt es bei der AdipositasHilfe Nord e.V.

 

 

 

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