Adipositas und die Gesellschaft – oftmals unter die Gürtellinie

Dass wir Dicken es nicht leicht in der Gesellschaft haben, ist mir schon bewußt. Sehr oft treffen wir auf Ablehnung müssen uns mit Vorwürfen konfontieren lassen und stehen Menschen gegenüber, die sich eine Meinung bilden obwohl sie keine Ahnung von der Thematik haben. Daher die Überschrift „Adipositas und die Gesellschaft“

Seit ein paar Tagen läuft die Petition zur Etablierung einer Behandlung der Adipositas unter der Nummer 76323 beim Deutschen Bundestag.
Die Idee zu der Petition kam uns, nachdem wir jahrelang immer hörten, dass etwas getan werden muss, damit wir Dicken eine Therapie bekommen. Diese Forderung hörte man von den Selbsthilfegruppen und Betroffenen aus ganz Deutschland.
Nun scheint es allerdings so, dass viele zur Kenntniss nehmen, dass die Selbsthilfeverbände etwas tun, es aber wohl anstrengend ist, sich auf der Petitionsseite zu registrieren. Anders kann ich mir die schwache Mitzeichnung in den ersten Tagen kaum erklären.

Auch kommen Fragen auf, wass der Bundestag denn mit den privaten Adressen macht, die man bei der Registrierung angibt. Spontan wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. WAS werden die denn damit machen? Da gibt es bestimmte eine Soko „Adipositas Petenten“ und ihr werdet ab sofort auf schwarze Listen geführt. Und hinzu kommt:
Ihr bekommt eine Therapie versagt und werdet diskriminiert. Halt, nein .. letzteres passiert ja schon seit Jahren. Sorry, mein Fehler.

Nun kommen auch noch „fachmännische“ Kommentare im Forum der Petitionsseite, die mich teilweise erschaudern lassen.#forentrolle

Aus dem Petitionsforum des Deutschen Bundestages

Auf den Hinweis des Adipositas Verband Deutschland e.V., dass man die Petition unterstützt, kommt folgender Kommentar

Natürlich unterstützen Sie diese Petition, denn schließlich spült sie im Erfolgsfall ja Geld in Ihre Kasse!
Es würden Ihnen hingegen gar nichts nützen, wenn die Leute sich bewußter ernähren und sich mehr bewegen würden und dadurch nicht adipös werden. Im Gegenteil: eine gesunde Lebensweise wäre für Ihren Verband schädlich.

Ich bin selbst adipös und muss schauen, dass ich das Übergewicht los werde. Das ist aber meine eigene Verantwortung, denn schliesslich habe ich mich nicht mit Übergewicht angesteckt. Keine Mitzeichnung.

WAS soll man darauf antworten? Oh ja, mein Vorstandsgehalt von 250.000 € / Jahr ist dann weg? 

Hier ein anderes Beispiel

Wenn adipöse Menschen sich an nichts halten und meinen die Gesellschaft müsste für sie aufkommen ist das sehr kontraproduktiv. Es kommt meiner Meinung nach auf die Ursachen an. Wenn jemand meint er müsste alles in sich hineinstopfen hört die Solidarität irgendwann auf. Eine einmalige Hilfe mit Ernährungsberatung und einer Kur sollte sicher gewährt werden aber auch nicht mehr! Wer nicht bereit ist an sich zu arbeiten, dann muss die Solidarität enden!

Und dann noch einer auf den Beitrag der Adipositaschirurgie Selbsthilfe Deutschland e.V.

Skalpell als Lösung? Echt jetzt? Und das soll nachhaltig sein?

OK, für die fraglichen Chirurgen und Krankenhäuser und andere Leistungsanbieter ist es das wahrscheinlich.

Wie wäre es denn mit einer Petition wie Botox und Nose Jobs für Alle? Falten und schiefe Nasen sind Quelle für viel seelisches Ungemach. Und im Gegensatz zum Übergewicht können die Betroffenen meist nichts für die Falten und die Nasen, die ihnen die Natur gegeben hat.

OK, es gäbe natürlich noch die malthusische Lösung. Nur hoffe ich nicht, dass ich die je erleben muss.

Dummerweise hat der Onkel nicht verstanden worum es in der Petition geht. NICHT UM OP!!!! Ob ich ihm das eintätowieren lassen kann?

Ihr seht also, es gibt beim Thema „Adipositas“ noch viel Aufklärungsarbeit. Und oft geht es unter die Gürtellinien

Mit dieser Petition können wir das noch mehr anschieben. Wir müssen uns auch den kritischen Fragen und Diskussionen stellen. Mir ist bewußt, dass es schwierig ist hierbei immer ruhig zu bleiben.

Letztendlich ist es doch so. Wenn einer sagt, dass man diese Therapie nicht bezahlen sollte, weil selbst verschuldet, könnte man folgende Gegenfragen stellen:

  • Kennst Du die Ursachen der Adipositas?
  • Weißt Du warum jemand zuviel isst?
  • Wenn der „Dicke“ keine Therapie bekommt, weil er selbst schuld ist, was ist dann mit dem Folgeerkrankungen? Die bekommen dann auch nichts?
  • Weißt Du eigentlich, wie hoch der Anteil der adipösen in Deutschland ist?
  • Was sagst Du den Kindern, die mit 8 oder 9 schon adipös sind und keine Hilfe bekommen?

Wir müssen uns den Diskussionen allerdings stellen und mit Fakten und Hintergründen argumentieren. Das hat zwei Vorteile. Man bekommt die Leute mundtot und man befasst sich mit seiner eigenen Erkrankungen, deren Ursachen. Auch eine Art von Selbsthilfe 😉

In diesem Sinne .. registriert Euch und zeichnet die Petition mit. #timetoact

http://www.adipositas-petition.de

 

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1 Kommentar on "Adipositas und die Gesellschaft – oftmals unter die Gürtellinie"


  1. Ich habe gezeichnet. Jetzt könnte mir ja vorgehalten werden, dass ich an der Therapie bei und mit adipösen Menschen verdiene und ich ein gesteigertes Interesse daran habe. Ich arbeite seit knapp 40 Jahren in meinem Beruf als Diätassistentin und habe viele adipöse Menschen betreut. Die Thematik geht meist viel tiefer, da geht es nicht nur allein um „Viel-Essen“, was ja meist dann auch einen Grund hat. Und diese „Gründe“ wünsche ich anderen Menschen nicht.

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